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5 bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse über Berührung

von | 25 Feb, 2017 | Berührung, Wissenschaft

Was hat Berührung mit Deiner persönlichen Entwicklung zu tun?

Wie sind wir zu dem Menschen geworden der wir sind? Neben vielen verschiedenen Einflüssen spielt die Berührung, die wir am Beginn unseres Lebens von unseren Eltern bekommen haben, eine entscheidende und weichenstellende Rolle.

Studien aus der Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung weisen auf den prägenden Faktor der Berührung in der Mutter-Kind Beziehung während der ersten Lebensmonate hin.

Der Wissenschaftler Dr. Ashley Montagu1, hat in seinem Lebenswerk „la peau et le toucher“, die Berührung als wesentliches Grundbedürfnis des Menschen beschrieben – gleichzusetzen mit dem Bedürfnis nach Licht, Schlaf, Essen/Trinken und nach Anerkennung und Liebe.

Über diesen ersten Kontakt durch unsere Mutter bekommen wir die wesentlichsten Informationen über die Welt, in die wir hineingeboren werden. Diese ersten Informationen prägen sich tief in unseren Körper und unsere Psyche ein. Ob wir uns geborgen und willkommen fühlen oder nur geduldet oder sogar abgelehnt, hängt von der Berührungsqualität der sprechenden Hände der Mutter in der erste Lebensphase ab und ist ausschlaggebend für den Start und weiteren Verlauf unseres Lebens.

Der Berührungssinn hat lange in der Wissenschaft ein Schattendasein geführt. Es gab dementsprechend  wenig Forschung zu dem Thema. Neue Erkenntnisse rücken den vergessenen Sinn in ein neues Licht.

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Die 5 wichtigsten Erkenntnisse der Berührungsforschung, die mich in meiner therapeutischen Arbeit beeindruckt und beeinflusst haben, möchte ich euch hier vorstellen.

 

1. Der Berührungssinn entwickelt sich beim menschlichen Embryo als erster Sinn

 

Vor allen anderen Sinnen ist die Haut schon ausgebildet und aktiv. Sie reagiert ab der achten Schwangerschaftswoche auf taktile Reize.

In dieser Phase ist das Embryo zweieinhalb Zentimeter groß. Riechen, hören und schmecken kann es erst im letzten Drittel der Schwangerschaft, die Augen sind erst nach der Geburt aktiv.

Die ersten Erfahrungen die der Mensch als Embryo, und auch als Säugling macht, sind demnach intensiv mit taktiler Berührung verknüpft.

In dieser sensiblen Phase des explodierenden Zellwachstums, sind die Hautwahrnehmungen von primärer und entscheidender Bedeutung für das weitere Wachstum und somit prägend.

 

2. Haut und Hirn gehören ein Leben lang zusammen

 

In der embryonalen Entwicklung gehen Haut und Nervensystem aus demselben Keimblatt hervor, dem Ektoderm. Dabei entsteht das Zentralnervensystem als innerer Teil der Haut des Embryos. Man könnte somit die Haut als exponierter Teil des Nervensystems oder externes Nervensystem betrachten.

Die Informationen, die die Haut über die enorme Zahl an sensorischen Reizen an das Gehirn weiterleiten, sind somit entscheidend für die Gehirnentwicklung, und dies nicht nur in der Embryonalphase, sondern auch in der Säuglingsphase.

Bleibt dieser sensorische Haut Reiz unbefriedigt oder geht er einher mit Stressinformationen, entwickelt der Embryo und später der Säugling extreme Ängste, die zu ernsthaften Störungen der grundlegenden physiologischen Körperfunktionen und zu einer eingeschränkten Persönlichkeitsentwicklung führen kann. Laut Forschung werden dabei die Weichen für eine spätere Depression gestellt.

Somit spielen Hautwahrnehmungen ein Leben lang eine entscheidende Rolle für das Zusammenspiel von Gehirn und Geist, Körper und Psyche.

 

3. Berührung rettet Leben

 

Der Verhaltensforscher Harry Harlow2 wies nach, dass Affenbabys ohne Hautkontakt sogar sterben können. Untersuchungen an Waisen oder länger von ihren Eltern getrennten Kindern belegen, dass Kinder die wenig berührt wurden, an Wachstumsstörungen leiden, und ihre emotionale, geistige und motorische Entwicklung dramatisch eingeschränkt ist. Auch ist ihr Immunsystem trotz guter Ernährung und medizinischer Versorgung sehr schwach, sodass überdurchschnittlich viele von ihnen in den ersten drei Jahren starben.

Die Münchner Jugendpsychiaterin Frauke Schmidt-Sibeth3 berichtet von Fällen, wo mangelnder Körperkontakt zwischen Eltern und Kindern später zu sexuellen Störungen bei den Kindern führte, ja sogar zum Ablehnen des eigenen Körpers bis hin zur Unfähigkeit, sich berühren zu lassen.

Zudem entwickeln Kleinkinder extreme Ängste, die zu ernsthaften Störungen der grundlegenden physiologischen Körperfunktionen und zu einer eingeschränkten Persönlichkeitsentwicklung führen können.

Berührungserfahrungen entscheiden mit, ob dieses Leben lebenswert ist oder nicht.

 

4. Bindung wird am stärksten durch Berührung erfahren

 

Die Bindungsforschung weist auf den entscheidenden Faktor einer sicheren Mutter-Kind Beziehung für das Wachstum und die Entwicklung in der frühen Lebensphase hin.4  Diese sichere Bindung wird in den ersten Lebensphasen vorwiegend über berühren, streicheln und gehaltenwerden vermittelt.

Die Bindungsforschung spricht bei dieser intensiven Erfahrung des „Eins-seins“ mit der Mutter von prägenden Erfahrungen, die körperliche und seelische Entwicklung maßgeblich beeinflussen. Wir werden in der ersten Lebensphase durch Berührung sozusagen für das Leben geeicht. Wir bekommen die ersten Informationen über das Umfeld durch diese basale Körperkommunikation.

Ob die Welt ein sicherer Ort ist, ob wir uns willkommen und geliebt fühlen, ob wir uns ausreichend satt fühlen bzw. die notwendige seelische Grundnahrung bekommen, hängt von der Qualität dieser frühen Berührung ab und wird tief ins Zellgedächtnis, dem sogenannten implizitem Gedächtnis eingeschrieben.

Diese erste Bindungserfahrung ist die Grundlage unseres Körper-Selbst und ist als Grundstimmung ein Leben lang in uns wirksam.

Bleiben die Urbedürfnisse nach Sicherheit und Nähe unbefriedigt und „ungestillt“, wird das Wachstum eingeschränkt, das Nervensystem auf Kampf und Flucht einstellt und die seelisch-geistige Entwicklung gehemmt. So werden früh die Grundlagen für eine „Stress-Persönlichkeit“ gelegt. Daraus entsteht meist ein Leben das dann vorwiegend auf Gefahrenbewältigung, Absicherung, Vermeidungsverhalten, Bedürfnisbefriedigung, Angstregulierung usw. ausgerichtet ist. Da bleiben dann meist keine Energie und kein Raum übrig für geistig/spirituelles Wachstum. Oder glauben sie, dass sie sich mit spirituellen Dingen beschäftigen können während ein Löwe sie verfolgt?

Der international bekannte Zellbiologe Dr. Bruce Lipton5, schreibt dazu:

„Wenn Sie vor einem Löwen flüchten, ist es keine gute Idee, Energie in Ihr Wachstum zu investieren. Zum Überleben brauchen Sie in jenem Augenblick all Ihre Energie für Flucht oder Kampf. Die Umleitung von Energie zugunsten der Schutzreaktion geht immer auf Kosten des Wachstums“.

Somit ist diese frühe Berührungserfahrung entscheidend für das weitere Leben, wie sie in Beziehung mit sich, den anderen und der Welt sind.

 

5. Man kann Berührungs-Defizite und Berührungs-Traumen korrigieren

 

Forschungsergebnisse zeigen, dass Bindungsmuster ein Leben lang veränderbar sind, beispielweise durch Liebesbeziehungen oder therapeutischen Beziehungen. Man spricht hier von korrigierenden emotionalen Erfahrungen. Man geht heute davon aus, dass korrigierende emotionale Erfahrungen zu einer sogenannten Nachreifung führen können. Die Forschug zeigt, dass sogar Berührungs-Traumen überschrieben werden können.

Die frohe Botschaft ist also:

Was damals nicht möglich war oder gefehlt hat, kann nachgeholt werden.

Dies bedeutet, daß Berührungs-Mangel und Berührungs-Traumen in der Kindheit im Erwachsenenalter korrigiert werden können. Das einschränkende Bindungsmuster kann durch neue konstante wiederholende positive Erfahrungen überschrieben werden. Das durch Behrührungsdefizit blockierte Wachstum kann wieder freigelegt werden und zu einer natürlichen und ureigenen Potenzialentfaltung führen.

Unsere klinischen Studien, die wir mit Menschen mit Bindungsdefiziten und psychosomatischen Beschwerden durchgeführt haben belegen dies. Achtsankeitsmassage® verfolgt diesen heilenden Ansatz und greift in die im Zell-Gedächtnis gespeicherten frühen Bindungserfahrungen ein.

 

Resüme

Der Berührungssinn ist der erste sich entwickelnde Sinn und ist entscheidend an der Entwicklung des Körper und der Persönlichkeit beteiligt. Das Gehirnwachstum bekommt einen wesentlichen Wachstumsreiz durch die frühe Berührung zwischen Mutter und Kind. Bleibt das frühe Berührungsbedürfnis undbefriedigt, entwickeln sich Ängste und Wachstum wird auf allen Ebenen eingeschränkt. Berührungsdefizit in der Kindheit kann nachgeholt und korrigiert werden.

Liebe Größe
Andreas Stötter

 

Quellen

1 Montagu, A. (1986). Touching: The Human Significance of the Skin. New York: HarperCollins.
2 Harlow. H. (2061) The development of affectional patterns in infant monkeys. Determinants of infant behaviour. B. M. Foss, ed., Methuen, London
3 http://gemeinwohlyoga.de/wp-content/uploads/2016/07/nidra.pdf
4 Bowlby, J. (1969). Attachment and Loss: Vol. 1 Attachment. New York: Basic Books.
5 Bruce Lipton (2006). The Wisdom of Your Cells – How Your Beliefs Control Your Biology. Auf  deutsch: Intelligente  Zellen Wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Koha.

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Andreas Stötter

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Durch meine jahrzehntelange leidenschaftliche Suche nach spiritueller Tiefe und Selbsterkenntnis, hat mich das Leben schon sehr früh zu meinen Lebensthemen geführt.
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