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3 bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse über Achtsamkeit

von | 28 Feb, 2017 | Achtsamkeit, Wissenschaft

Achtsamkeit – das Juwel des Geistes

Bist du da, wenn du am Morgen dein Frühstück einnimmst? Oder bist du mit deinen Gedanken schon im Büro? Bist du präsent wenn du mit deinem Hund spazieren gehst? Oder bist du dabei mit anderen Dingen beschäftigt? Bist du achtsam wenn deine Kinder dir begeistert etwas zeigen oder treibst du dich in der Zukunft oder in der Vergangenheit herum? Bist du dir dessen gewahr was in dir vorgeht, während du diese Zeilen liest?

Der Zustand der absoluten achtsamen Präsenz im Jetzt ist ein seltenes Juwel. Die meiste Zeit nehmen wir nicht wahr was um uns herum oder in uns vor sich geht. Rauscht das Leben an uns vorbei und wir sind nicht dabei?

Wir haben ein massives Wahrnehmungsproblem. Unachtsamkeit ist die Regel und Achtsamkeit die Ausnahme.

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Was ist Achtsamkeit?

  • Unter Achtsamkeit verstehen wir eine bewusst beabsichtigte Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, d.h. auf den aktuellen Moment, auf die gegenwärtige Erfahrung.
  • Achtsamkeit bedeutet das bewusste Einnehmen einer Beobachterposition mit einer bestimmten Haltung: wohlwollend, akzeptierend, nicht urteilend, nicht wertend, nicht identifiziert mit dem Objekt der Beobachtung, jedoch unmittelbar an der Erfahrung teilhabend, unvoreingenommen, offen, ohne einzuteilen, ohne zu kategorisieren, die Welt wie mit den Augen eines Kindes betrachtend („Anfängergeist“).
  • Demnach ist Achtsamkeit eine natürliche meditative Geisteshaltung in der ein immenses Potenzial  schlummert, um Veränderungsprozesse in der menschlichen Psyche einzuleiten, und ist weit mehr als eine simple Wellness-Entspannungstechnik.
  • Auch ist Achtsamkeit das „Herzstück“ der buddhistischen Lehre und findet sich wiederholt in den Schriften als Teil des edlen achtfachen Pfads, dem Weg zur Aufhebung vom Leiden.
  • Achtsamkeit ist seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit angekommen. Auf Titelseiten bekannter Zeitschriften ist das Thema mittlerweile präsent. Seit dem Jahr 2000 sind nahezu 2000 wissenschaftliche Studien zur Achtsamkeit publiziert worden.

Ich möchte euch nun drei wichtige und für unsere Arbeit wesentliche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Achtsamkeitsforschung vorstellen.

 

1. Achtsamkeitspraxis verändert nachweislich die Struktur des Gehirns

 

Mit modernen bildgebenden Verfahren konnte dies mehrfach nachgewiesen werden. Das Zauberwort ist die Neuroplastizität. Dies bedeutet dass das Gehirn ein plastisches, dynamisches und sich ständig anpassendes Organ ist und auf äußere und innere Reize strukturell reagiert.

Eine der ersten wissenschaftlichen neurobiologischen Untersuchungen zum Thema Achtsamkeit wurde vom Neuropsychiater Prof. Dr. Jeffrey Schwartz1, von der Universität Los Angeles, Kalifornien, im Jahre 1987 durchgeführt. Schwartz vermutete, dass ein achtsamer Geist, Einfluss auf die Plastizität des Gehirns haben würde.

Die Untersuchungsreihe, die eine bahnbrechende Studie werden sollte, wurde an 18 Patienten mit Zwangsstörungen durchgeführt und dauerte 10 Wochen. Zu Beginn und nach Abschluss der Studie, wurden PET Bilder (Positronen Emission Tomografie), ein bildgebendes Verfahren,  vom Gehirn der Patienten gemacht. Das Resultat war beeindruckend:  Die Achtsamkeits-Therapie hatte den Stoffwechsel des Zwangsstörungs-Schaltkreises im Gehirn der Patienten sichtbar verändert. Es war die erste Studie die zeigte, dass Achtsamkeit die Kraft hat, die fehlerhaften Gehirnfunktionen systematisch zu verändern.

Weitere Studien zum Thema führte Prof. Dr. Richard Davidson2, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der University of Wisconsin durch. Dabei wurden unter anderem Gehirne von meditierenden Tibetischen Lamas mit bildgebenden Verfahren wie fMRT, PET und Hirnstrommessungen untersucht. Die Mönche wiesen durch die jahrzehntelange Achtsamkeitspraxis einen beeindruckenden Zuwachs an Nervenzellen im Frontalhirn auf, besonders in dessen linken Anteil, in dem, laut Hirnforschung, auch Glücksgefühle maßgeblich gesteuert werden. Die Wissenschaft belegt damit, die seit Jahrtausenden erprobte Gewissheit, dass ein achtsamer Geist, ein glücklicher Geist ist.

Prof. Dr. Daniel Siegel3, Professor für Psychiatrie an der UCLA School of Medicine in Los Angeles und Direktor des bekannten Mindsight Institute sagt dazu:

„Es ist nun auch wissenschaftlich anerkannt, dass achtsam und bewusst zu sein, und dadurch sich dem  Reichtum  und der Fülle unserer Erfahrung im Hier und Jetzt zu widmen, positive Veränderungen in unserer Physiologie, den Funktionen unseres Geistes, und unseren zwischenmenschlichen Beziehungen bewirkt“

 

2. Achtsamkeit fördert nachweislich Mitgefühl

 

Wenn das „Dauerradio im Kopf“ stiller wird und das Bombardement von Selbstkritik, Wertungen, Urteilen usw. weniger wird, entsteht ganz von selbst eine Besänftigung und eine Haltung des Wohlwollens sich selbst gegenüber, Selbstmitgefühl.

Prof. Siegel schreibt dazu:

„Der augenblickliche Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse erlaubt uns die begründete Aussage, dass Güte und Mitgefühl für das Gehirn sind, was der Atem für das Leben ist.“

Achtsames Wahrnehmen fördert aber nicht nur eine tiefere Beziehung zu sich selbst, sondern auch die Fähigkeit des Einfühlens in den Anderen, die Fähigkeit nonverbale emotionale Signale wahrzunehmen und somit das Innenleben des Anderen zu empfinden.

Auf diese Weise wird an den Gefühlen des Anderen teilgenommen, nachempfunden und eine emphatische Kommunikation gefördert. Durch die achtsame Qualität des „mit dem Anderen sein“ wird eine entsprechende Resonanz im Gegenüber erzeugt. Es entsteht eine Reaktion des „sich gesehen und gefühlt Fühlens“. Diese Kraft des „achtsamen sich Einfühlens“ bewirkt tief gehende und positive Veränderungen in menschlichen Beziehungen. Demnach ist Achtsamkeit die Voraussetzung für emotionale zwischenmenschliche Intelligenz.

Siehe auch unsere wissenschaftlichen Studien zu Achtsamkeit und achtsamer Berührung.

 

3. Achtsamkeit aktiviert DMT – eine körpereigene Droge

 

Im Zentrum des Gehirns wirkt eine besondere Drüse die fast alle Hormone der Körpers mitreguliert: Die Zirbeldrüse. Sie reguliert im Besonderen nicht nur über das Schlafhormon Melatonin den Tag-Nachtrhythmus sondern produziert einen wichtigen Botenstoff Namens DMT5 (Dimethyltryptamin). DMT ist eine körpereigene Droge die spezielle Bewusstseinszustände herbeiführt und in den alten Weisheitskulturen mit dem dritten Auge in Verbindung gebracht wurde.

Die Forschungen dazu zeigen, dass eine vermehrte Aktivierung der Zirbeldrüse und damit erhöhte Ausschüttung von DMT, das Bewusstsein erweitert, Liebe und Mitgefühl freilegt, und Erfahrungen mystischem Eins-Seins ermöglicht. Meditation bzw. Achtsamkeitspraxis scheint diesen Prozess zu fördern.

Dr. Dieter Broers4, ein Biophysiker und Bewusstseinsforscher, berichtet dass Liebe und Mitgefühl dieses körpereigene Bewusstseinsmolekül aktiviert.

Somit greift Achtsamkeitspraxis in die Biochemie des Gehirns ein und aktiviert neben Botenstoffen wie Endorphine auch das sogenannte Moleküle des Bewusstsein DMT.

 

Resümee

Achtsamkeitspraxis verändert nicht nur geistige Aspekte des Menschen sondern auch nachweislich die Struktur des Gehirns. Weiters ist ein achtsamer Geist die Voraussetzung für das Entwickeln von Mitgefühl und damit für eine liebvolle Beziehung mit sich selbst und mit anderen. Durch Achtsamkeitspraxis wird auch ein Einfluss auf die Chemie des Gehirns genommen. Das besondere Molekül mit dem Namen DMT, eine körpereigene Droge, wird vermehrt aktiviert und nimmt damit Einfluss auf das Bewusstsein in Richtung Liebe und Mitgefühl.

Liebe Grüße
Andreas Stötter

 

Quellen

1Schwartz, J. M. (1996). Systematic Changes in Cerebral Glucose Metabolic Rate after Successful Behavior Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder. Archives of General Psychiatry, 53, 109-13.
2Davidson, R. J., Kabat-Zinn, J., Schumacher, J., Rosenkranz, M., Muller, D. & Santorelli, S.F.  (2003). Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation. Journal of Psychosomatic Medicine, 65, 564–570.
3Siegel, D. J. (2007). The mindful brain: Reflection and attunement in the cultivation of well-being. New York: W.W. Norton & Company.
4Dieter Broers (2014).Der verratene Himmel: Rückkehr nach Eden

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Durch meine jahrzehntelange leidenschaftliche Suche nach spiritueller Tiefe und Selbsterkenntnis, hat mich das Leben schon sehr früh zu meinen Lebensthemen geführt.
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